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Bogenschützen-Schulter

V. i. S. d. P.:
Dr. med. Thomas Braun B. AC.
Sportarzt, ehem. Nationalmannschaftsarzt und Seminarleiter der Bayerischen Sportärzteverbandes
Tel.: 09976/1206
D-92444 Rötz, Praxisklinik (D-Arzt)

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Die sogenannte Bogenschützenschulter ist eine Folge von Überlastung und Schulterverletzungen durch das wiederholte Spannen und Lösen des Bogens. Hohe Belastung und die sich wiederholenden Bewegungen beim Spannen und Halten des Bogens spielen dabei eine entscheidende Rolle. Idealerweise sollte der Bogenschütze vor dem Lösen des Bogens vollkommen stillstehen. Dies ist nur durch isometrische Kontraktion der beteiligten Muskeln möglich. Die ausgeübte Kraft darf die Belastbarkeit der Muskeln nicht überschreiten, da dies zu Zittern führen und die Treffsicherheit beeinträchtigen würde. Beim Lösen des Bogens wird die Spannung abrupt gelöst, Ausweichbewegungen sind jedoch unbedingt zu vermeiden, da auch diese die Treffsicherheit beeinträchtigen würden.
<br><small>Starke Anspannung ohne Zittern vor dem Schuß, dann plötzliches Lösen der Spannung, ohne Ausweichbewegung des Bogens. </small>


Starke Anspannung ohne Zittern vor dem Schuß, dann plötzliches Lösen der Spannung, ohne Ausweichbewegung des Bogens.

Grundsätzliches

Die Schultergürtelmuskulatur eines Bogenschützen zeichnet sich durch starke Adduktoren in der Bogenschulter und gleichstarke Extensoren in beiden Schultern aus. Diese Muskelgruppen tragen wahrscheinlich wesentlich zur Präzision und Stabilität beim Bogenschießen bei. Daher kann ein Trainingsprogramm, das gezielt die Adduktoren und Extensoren stärkt, die Fähigkeiten eines Bogenschützen verbessern.[1]

Bogenschießen zählt zu den Sportarten mit einem hohen Verletzungsrisiko für die oberen Extremitäten, insbesondere Schulter und Ellbogen, und belastet zudem den unteren Rücken.[2]

Bogenschießen erfordert Feinmotorik, und der Erfolg hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter präzise neuromuskuläre Koordination. Daher wurde die Hypothese aufgestellt, daß ein gezieltes Training des unteren Trapeziusmuskels die Leistung von Bogenschützen verbessern und gleichzeitig die Muskelaktivität und Schulterkinematik beeinflussen könnte. Ein entsprechendes experimentelles Design zeigte eine entsprechende Leistungssteigerung. Das Training des unteren Trapeziusmuskels konnte somit die Leistung von Bogenschützen effektiv verbessern, indem es gleichzeitig die Kraft der Schulterabduktoren und des unteren Trapeziusmuskels erhöhte.[3]

Bogenschützenschulter als Oberbegriff

Der Begriff wird als Oberbegriff verwendet und ist mit folgenden Erkrankungen assoziiert: Tendinopathie, Muskelverkürzung, superiore Bogenschützenschulter, Rotatorenmanschettensyndrom, subakromiales Impingement, Skapulainstabilität und muskuläre Dysbalance. Eine Bizepssehnenluxation, bei der der lange Bizepskopf aus seiner Gleitrinne (Sulcus intertubercularis) im Oberarm springt, tritt ebenfalls in diesem Zusammenhang auf.

Diagnostik

Eine umfassende sportmedizinische Analyse des Bewegungsmusters ist erforderlich, wobei zu berücksichtigen ist, daß sich die Muskelspannung bei jedem Schuß abrupt löst. Insgesamt ist eine gründliche differenzialdiagnostische Untersuchung von Schultergürtel, Schulter und Rumpf unerläßlich.

Behandlung

Da der Begriff Bogenschützenschulter ein Oberbegriff ist, existieren keine spezifischen Studien zu ihrer Behandlung. Wie bei vielen anderen sportmedizinischen Erkrankungen liegt der Fokus primär auf der Optimierung der Bewegungsmuster des Sportlers. Selbstverständlich ist auch die Behandlung der zugrunde liegenden Schmerzursachen (vom Rotatorenmanschettensyndrom bis zur Bizepssehnenluxation) essenziell.

Quellen

  1. Kim RN, Lee JH, Hong SH, Jeon JH, Jeong WK. The Characteristics of Shoulder Muscles in Archery Athletes. Clin Shoulder Elb. 2018 Sep 1;21(3):145-150. doi: 10.5397/cise.2018.21.3.145. PMID: 33330168; PMCID: PMC7726387.
  2. Ji X, Miller J, Gao X, Al Tamimi Z, Arzalluz I, Piovesan D. An Ergonomics Analysis of Archers through Motion Tracking to Prevent Injuries and Improve Performance. Sensors (Basel). 2024 Mar 14;24(6):1862. doi: 10.3390/s24061862. PMID: 38544125; PMCID: PMC10974659.
  3. Liao CN, Fan CH, Hsu WH, Chang CF, Yu PA, Kuo LT, Lu BL, Hsu RW. Correction: Liao et al. Twelve-Week Lower Trapezius-Centred Muscular Training Regimen in University Archers. Healthcare 2022, 10, 171. Healthcare (Basel). 2022 Feb 17;10(2):378. doi: 10.3390/healthcare10020378. Erratum for: Healthcare (Basel). 2022 Jan 17;10(1):171. doi: 10.3390/healthcare10010171. PMID: 35207022; PMCID: PMC8871701.
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